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Wart und ­Lindenplatz

Die Wart (ursprünglich «Warth») mit dem ­Lindenplatz, dem Schützenhaus und dem Wohnhaus «Wartrain» ist der geschichts­trächtigste Ort von Hünenberg. Hier trafen sich die Hünenberger zu wichtigen Entscheidungen. Hier verlief aber auch jahr­hundertelang die Hauptstrasse von Zürich nach Luzern.

Der Lindenplatz

Auf dem von acht Linden eingefassten Lindenplatz bei der Wart schwuren bis zum Untergang der alten Eidgenossenschaft die Hünenbergerbis 1798  dem selbstgewählten Zuger Vogt an der Schwörgemeinde ihre Treue. Anderseits gelobte der Vogt, für die Gemeinde das Beste zu tun.

Stets am zweiten Sonntag im Mai fand auf dem Lindenplatz diese Schwörgemeinde statt, weshalb der Platz auch Schwörplatz heisst. Nach den Verhandlungen wurde jeweils in der
Wart gegessen und gefeiert. Gemäss einer­ ­Notiz von 1765 kostete­ das «Schwörtag­essen» 100 Gulden, was einem­ Siebtel der Jahresausgaben­ entsprach.­ Kein Wunder, denn die 34 Gäste­ tranken rund 180 Liter Wein!

Hier wurde auch die jungen Hünenberger von Zuger Offizieren im Handhaben der Waffen ausgebildet, wozu das nahe gelegene Schützenhaus ebenfalls diente. was dem Platz auch den Namen Exerzierplatz eintrug. Nach ­einem tödlichen Schiessunfall im Jahre 1652 wurde 1686 das Schützenhaus gebaut.

Nach der Überlieferung soll 1712 Säckelmeister Peter Bütler die acht Linden gepflanzt haben. Die letzte der ursprünglichen Linden wurde im Januar 1951 gefällt. Sie war, den Jahrringen entsprechend, höchstens 250 Jahre alt.

Nach der Französischen Revolution verlor der Platz an Bedeutung. Ausser bei Feiern: Auf dem Lindenplatz begingen die Hünenberger auch odt die 1.-Augustfeiern und die 700-Jahrfeier der Eidgenossenschaft 1991 erlebte auf dem Lindenplatz einen eindrücklichen Höhepunkt.

Im Jahr 2000 wurde der von der Korporation und der Einwohnergemeinde neu gestaltete Lindenplatz feierlich eingeweiht. Besonders augenfällig sind die vom Hünenberger Bildhauer Rolf Grönquist geschaffenen Stelen, die vom Lindenplatz zur Wart führen. Die Bilder zeigen den Lindenplatz Anfangs des 20. Jahrhunderts und 2014.

Aktuelle Informationen zum Restaurant Wart

Von den Genossen und Beisassen zur Korporation Hünenberg

In der heimeligen Gaststube befinden sich zwei Wappentafeln des Hünenberger Holzschnitzers Balz Villiger mit den alten Hünenberger Geschlechtern der Genossen und der Beisassen (heutige Korporation Hünenberg).

Zu den Genossen gehörten all jene Geschlechter, die bereits beim Loskauf 1414 als freie Bauern der Dorfgemeinschaft angehört hatten.

Ab dem 15. Jahrhundert konnten sich weitere Hünenberger Bauern in die „Genossami“ einkaufen, z.B. wenn sie einen Hoch mit Gerechtigkeit erwarben. Damit wurden sie gleichberechtigt mit den Genossen. Ab dem 16. Jahrhundert konnten auch Neuzuzüger Häuser kaufen. Da es damals aber noch kein Niederlassungsrecht gab, musste ihnen die Gemeinde dieses Recht gewähren.

Diese Neuzuzüger, die ebenfalls eine Einkaufssumme zu bezahlen hatten, nannte man Beisassen. Sie waren nicht mit den Genossen gleichberechtigt, vor allem hatten sie an der Gemeindeversammlung kein Stimmrecht.

Dies hatte verschiedene Konflikte zwischen den Genossen und den Beisassen zur Folge, die jeweils von der Stadt Zug geschlichtet werden mussten. Die Genossen wurden dabei in ihren alten verbrieften Rechten und Freiheiten geschützt. Heute sind in der Korporation Hünenberg alle Mitglieder gleichberechtigt. Mitglieder können nach neuen Statuten nur Bürgerinnen­ und ­Bürger sein, die von einem der 20 Korporations-Geschlechter abstammen.

Die beiden Tafeln mit den «Wappen Der Geschlechter Der Gemeinde Hünenberg», geschnitzt 1912 von Jakob Villiger.
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Die Tafel mit den Namen der Genossen­: «Suter, Twerenbold, Wiss, Waller, Bütler, Gretener, Werder, Weibel, Villiger – Wappen Der Geschlechter Deren Vorfahren Sich von Den Edeln Von Hünenberg Losgekauft haben, Año 1414» Die Tafel mit den Namen der Beisassen: «Baumgartner, Burkhard, Degen, Freimann, Holzmann, Köpfli, Kost, ­Leisebach, ­Lutiger, Schmid, Schwerzmann, Sidler, Sifrig – Wappen Früherer Beisassen. Die Beisassen Wurden Gleich berechtigt Wie Die Genossen Año 1816».

 Restaurant Wartstein

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Aufnahme Anfangs 20. Jahrhundert.

1862 erwarb der Arzt Dr. Niklaus Wyss das Heimwesen „Wartstein“ von den Geschwistern Bütler und richtete hier seine Praxis ein.1868 reichte er ein Gesuch zum Betrieb des Wartsteins als Gasthaus ein, das bewilligt wurde. Dr. Niklaus Wyss führte nebst der Arztpraxis auch die Gastwirtschaft, wobei ihm die Gaststube als Wartezimmer diente. Er war als Arzt über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt und arbeitete vor allem mit Naturheilmitteln. Auch für das Zahnziehen war er damals bestens ausgerüstet.

Der Lederbirnnbaum nördlich der Wartstein.

Der Lederbirnnbaum nördlich der Wartstein.

Niklaus Wyss war vielseitig interessiert; vor allem war er ein Freund der Vogelwelt. Er war ein ausgezeichneter Ornithologe und züchtete im Wartstein in einem Lederbirnbaum die Papageien Rotbugamazonen. Das war vor ihm niemandem nördlich der Alpen gelungen. Der Lederbirnbaum stand gemäss Aufzeichnungen von Dr. Niklaus Wyss 260 Meter nördlich des Wartstein und hatte einen Stammumfang von 2.49 Metern.

Wie der Lederbirnbaum gefällt wurde – sehen Sie auf dem Hünenberger Themenweg, Nr. 23  – Rainmatt

Er lehrte sie auch sprechen, so dass sie die Gäste nicht selten mit dem Spruch überraschten „hesch scho zahlt?“ oder „Dokter, es Möschtli!“ Während des Sommers waren die Papageien im Freien zu bewundern. 1908 wurden die Papageien von einem Unbekannten erschossen. Dieser tragische Fall knickte Niklaus Wyss. Im folgenden Jahr verstarb er 76-jährig.

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Aufnahme um 1950.

Kegelbahn und Säli

Das Warstein besass auch eine Kegelbahn unter freiem Himmel, wie sie damals fast bei allen Gasthäusern zu finden war. Bis in die 1970er-Jahre besass der Wartstein den einzigen Saal in Hünenberg. Hier fanden Konzerte und Turnerabende, Bälle und Hochzeitsgesellschaften statt und der Männerchor führte hier seine Proben durch.

In den Vitrinen sah man archäologische Fundgegenstände von Dr. Niklaus Wyss und die Wände waren mit historischen Darstellungen verziert. Auf dem Foto sieht man Heinrich von Hünenberg. Nach dem Bau des Gemeindesaales im Jahre 1975 wurde der Dachstock zu einer Wohnung ausgebaut.

Aktuelle Informationen zum Restaurant Wartstein

Schiessen in Hünenberg

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Das Schützenhaus vis-à-vis der Wart wurde im Jahre 1686 erbaut. Der bald danach gegründeten Schützengesellschaft dient es bis heute als 300m-Schiessanlage.

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Die Herrgottskanoniere aus Cham und Hünenberg. Jeweils am ­Morgen von Fronleichnam wurde aus beiden Kanonen geschossen.

Eigentümerin des Schützenhauses ist noch immer die Korporation Hünenberg. 1826 wurde das Schützenhaus renoviert und ­erhielt vier neue Scheiben.

Herrgottskanone

Im Schützenhaus war auch eine der beiden «Herrgottskanone» der Kirchgemeinde Cham-Hünenberg deponiert. Mit dieser Kanone wurden die Leute bei Feuer, Überschwemmungen etc. augeboten. Ebenso wurde sie jeweils an Fronleichnam abgefeuert.

Die ersten „Schüsse“ sind für das Jahr 1747 datiert.

1835 waren beide Kanonen in so schlechtem Zustand, dass der Kirchenrat beschloss, in Aarau bei der Firma Rüetschi zwei neue giessen zu lassen. Das Herrgottsschiessen wurde 1955 abgeschafft, nachdem sich zwei  Unfälle  ereignet hatten und die Kosten fürs Schiessen 2100 Franken verursachten.

Weitere Informationen zur Schützengesellschaft Hünenberg

Armbrustschiessen

Auch das Armbrustschiessen konnte in Hünenberg Fuss fassen. Während des ersten Weltkrieges war für Schützenvereine die Munition knapp. Deshalb suchten einige Schützen nach einer Alternative und so kam es im Jahre 1918 auf der „Warth “ zur Gründung der Armbrustschützengesellschaft.

Jedes Mitglied zahlte 2 Franken und es wurden zwei Armbrüste angeschafft. Geschossen wurde „ unter den Linden “.

Schon bald merkten die Schützen, dass der Stand „ unter den Linden“ nicht gerade ideal war. Nachdem die Plätze Wartstein, Ochsenlohn und Mattenboden ausprobiert wurden, entschloss man sich, ein Schützenhaus neben dem „ Wartstein “ zu bauen. Man konnte neu nebeneinander schiessen, vor dem Scheibenstand befand sich der Zeigergraben und die Pfeile wurden mittels Drahtseil in den Schiessstand transportiert. Es wurde tüchtig geübt.

Die Hünenberger gewannen in den 20-er Jahren , nach fünfmaligen Siegen , den 1. Eidg. Wanderbecher.

Schon bald wurde das Schützenhaus zu klein und am 24. November 1962 war Baubeginn für das heute noch benützte Schützenhaus an der St. Wolfgangstrasse – ebenfalls auf Korporationsland

Im Jahre 2005 führte die ASG Hünenberg das Schweizerische Armbrustschützenfest in Hünenberg mit rund 1‘500 Schützinnen und Schützen aus der ganzen Schweiz durch.

Weitere Informationen zur Armbrustschützengesellschaft Hünenberg

Kleinkaliber-Schützen

Seit 1946 gibt es in Hünenberg auch einen Kleinkaliber-Schützenverein. Das Schützenhaus befand sich zunächst in St. Wolfgang, am Fussweg nach Cham. Seit 1971 besitzen die Kleinkaliberschützen beim Zoll-Ischlag in Unterhünenberg eine schön gelegene Schiessanlage.

Weitere Informationen zum Kleinkaliber-Schützenverein Hünenberg

Das Haus „Wartrain“

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Den 1806 erbauten „Wartrain“ liess Franz Basil Gretener, der erste Gemeindepräsident des nachrevolutionären Hünenberg, als Wohnhaus errichten.

Das ursprüngliche Bauernhaus befindet sich seit 1977 im Besitz der Korporation Hünenberg und wurde 1993 umfassend renoviert. Es wird als Wohnhaus genutzt – ebenso das Wöschhüsli, das eine 1-Zimmerwohnung beherbergt.

Weitere Informationen zu Franz Basil Gretener auf dem Hünenberger Themenweg, Nr. 6 -Huobrain

Die Chilbi

Hünenberg war bis ins 20. Jahrhundert hinein nach Cham orientiert. Eigene kirchliche Traditionen fehlten weitestgehend. Eine Ausnahme bildete der Kirchweihtag in St. Wolfgang.

Die Chilbi wird heute noch gefeiert und zwar jeweils am Bartholomäustag (24. August) oder dem nächstfolgenden Sonntag. Sie findet jeweils vom Freitag- bis Sonntagabend im Bereich der Wart entlang der St. Wolfgangstasse statt und wird von Hünenberger Vereinen organisiert.

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Autoren: Patricia Diermeier Reichardt, Klaus Meyer, Guido Wetli
Fotos: Archiv, Thomas Müller