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St. Wolf­gang als wich­ti­ger Verkehrsknotenpunkt

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Bild aus dem Jahre 1912: Hier gab es damals noch eine Lebensmittelhandlung.

Der unter Orts­bild­schutz ste­hende Wei­ler St. Wolf­gang erhielt erst im 15. Jahr­hun­dert seine Bedeu­tung. St. Wolf­gang lag am Kreuz­punkt zweier Stras­sen. Die eine Strasse war der Han­dels­weg von Luzern kom­mend über Kap­pel nach Zürich.

Der andere Weg führte von Zug über Sins zur zuge­ri­schen Vog­tei Ober­rüti. In St. Wolf­gang stie­gen auch die Händ­ler ab.

1479 erwähnt ein Pro­to­koll des Stadt­ra­tes von Zug zwei Taver­nen zu St. Wolf­gang: Die “Nie­dere” und die “Obere”. Die Nie­der war wahr­schein­lich ein Vor­bau des heu­ti­gen Rösslis.Die andere war der bereits im 19. Jahr­hun­dert ein­ge­gan­gene „Löwen“.

In St. Wolf­gang hatte sich auch eine Schmiede befun­den. Die Pferde der Kauf­leute muss­ten näm­lich nicht sel­ten beschla­gen werden.

Das Rössli

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Bild aus dem Jahre 1922.

Das Rössli wird in den his­to­ri­schen Schrif­ten immer wie­der erwähnt: Hier soll der Sau­ban­nerzug nach dem Bur­gun­der­krieg beschlos­sen wor­den sein — fernab von Zug, um doch etwas freier reden zu können.

Der Sau­ban­nerzug, auch Kol­ben­ban­nerzug Zug des torech­ten Lebens genannt, war das mili­tä­ri­sche Unter­neh­men einer Frei­schar, die sich 1477 wäh­rend der Fast­nachts­zeit aus der Zen­tral­schweiz Rich­tung West­schweiz in Bewe­gung setzte. Ziel war es, von Genf, das damals noch zu Bur­gund gehörte, die nach den Bur­gun­der­krie­gen ver­spro­chene, aber noch nicht bezahlte Bran­schatz­summe einzutreiben.

Der Heer­hau­fen ver­ur­sachte den Räten der Städte Bern, Zürich und Luzern gros­ses Kopf­zer­bre­chen, da sie in Ver­hand­lun­gen mit Savoyen und Frank­reich stan­den. Genf musste sich ver­pflich­ten, den Eid­ge­nos­sen von den noch geschul­de­ten 24’000 Gul­den einen Drit­tel sofort aus­zu­zah­len; für die ver­blei­ben­den zwei Drit­tel wur­den Gei­seln gestellt. Über­dies musste Genf jedem Zug­teil­neh­mer zwei Gul­den als Ent­schä­di­gung ent­rich­ten sowie einen Umtrunk anbie­ten. Durch diese Zuge­ständ­nisse konnte der Zug am 4. März auf­ge­hal­ten wer­den, bevor er sein Ziel erreichte.

Im Rössli über­nach­te­ten auch die Ber­ner Schüt­zen, die 1507 am gros­sen Schüt­zen­fest zu St. Wolf­gang teil­ge­nom­men haben.

Der heu­tige Bau ist nicht genau datiert. Das Dach wurde jedoch mit Zie­geln aus der Zuger Zie­ge­lei Bra­nen­berg gedeckt. 1905 stan­den vor dem Rössli noch zwei Pap­peln, spä­ter wur­den sie durch zwei andere Bäume ersetzt (Bild aus dem Jahre 1922).

Aktu­elle Infor­ma­tio­nen zum Restau­rant Rössli.

St. Wolf­gang als Exklave der Stadt Zug

Der Wei­ler St. Wolf­gang, beste­hend aus der Kir­che und vier Wohn­häu­sern, kam erst mit dem Jahr 1935 zu Hünenberg.

Als am 17. Februar 1798 die Ennet­see­ge­mein­den ihre Selbst­stän­dig­keit erhiel­ten, blieb der Wei­ler St. Wolf­gang als Exklave der Stadt Zug beste­hen. Die weni­gen Fami­lien, die hier wohn­ten, unter­stan­den dem­nach der Ver­wal­tung der Stadt­ge­meine Zug, obwohl die schul­pflich­ti­gen Kin­der die Schu­len von Hünen­berg besuch­ten und auch der Feu­er­wehr– und Poli­zei­dienst von Hünen­berg besorgt wurde. Auch die Steu­ern muss­ten der Stadt Zug abge­lie­fert werden.

Im Rah­men von Grenz­re­gu­lie­run­gen im Jahre 1934 wur­den Ver­hand­lun­gen über eine poli­ti­sche Zutei­lung von St. Wolf­gang zur Gemeinde Hünen­berg geführt.

An der Ein­woh­ner­ge­mein­de­ver­samm­lung der Stadt Zug vom 30. Dezem­ber 1934 wurde die Abtre­tung beschlos­sen und Hünen­berg rati­fi­zierte den Ver­trag an der Ein­woh­ner­ge­mein­de­ver­samm­lung vom 14. April 1935. Der Ver­trag sah vor, dass die Gemeinde Hünen­berg für die nächs­ten 50 Jahre 50 % der Steu­er­ein­nah­men aus der ehe­ma­li­gen Enklave St. Wolf­gang abzu­lie­fern hat.

Nach 23 Jah­ren ersuch­ten die Hünen­ber­ger die Stadt Zug, auf die­sen Anteil zu ver­zich­ten, der 1957 noch 624 Fran­ken und 10 Rap­pen betra­gen hatte. Dem Gesuch wurde am 23. Juni 1958 entsprochen.

Kir­che St. Wolfgang

Bild aus dem 19. Jahrhundert.

Bild aus dem 19. Jahrhundert.

Im Jahre 1473 liess die Stadt Zug die spät­go­ti­sche Kir­che durch den damals bekann­ten Bau­meis­ter Hans Fel­der erbauen. Hans Fel­der gilt auch als Bau­meis­ter der Kir­che St. Oswald in Zug und der Was­ser­kir­che in Zürich. Die Kir­che ist dem Bischof St. Wolf­gang geweiht, einem Hei­li­gen und Trost­spen­der des 10. Jahrhunderts.

1479 zieht der erste Kaplan in St. Wolf­gang ein. In der Folge ent­wi­ckelt sich St. Wolf­gang zu einem viel­be­such­ten Wall­fahrts­ort. 1495 wird St. Wolf­gang eigent­li­ches Landesheiligtum. 

Die Legende berich­tet, dass Hil­fe­su­chende im von Seu­chen und Krank­hei­ten gepräg­ten Mit­tel­al­ter ein Bild des Hei­li­gen Wolf­gang an einem Baum befes­tig­ten, um durch seine Für­bitte Lin­de­rung im Leid zu erlan­gen. Die zuneh­mende Ver­eh­rung des Hei­li­gen habe die Stadt Zug bewo­gen, ihm zu Ehren eine Wall­fahrts­kir­che zu errichten.

Die so genannte Pil­ger­glo­cke, süd­west­lich der Kir­che, erin­nert an den viel­be­such­ten Wall­fahrts­ort. Zeit­weise wirk­ten zwei Kap­läne als Wall­fahrtspries­ter in St. Wolf­gang, wovon das statt­li­che Stein­haus mit den blauen Fens­ter­lä­den aus dem Jahre 1696 Zeug­nis ablegt.

246Nach etli­chen „Ver­re­stau­rie­run­gen“ gelang in den Jah­ren 1947 bis 1949 eine Wie­der­her­stel­lung des spät­go­ti­schen Got­tes­hau­ses unter der Ober­auf­sicht von Dr. Linus Birch­ler. Dabei wer­den im Lang­haus Wand­ma­le­reien aus dem spä­ten 16. oder 17. Jahr­hun­dert entdeckt.

Seit­her gilt St. Wolf­gang als eine der schöns­ten Land­kir­chen der Gotik in der Schweiz. Im Inne­ren sind das zwar nur noch als Kopie vor­han­dene Chor­ge­stühl (die Ori­gi­nale befin­den sich im Lan­des­mu­seum). Der Wolf­gang­bil­der­zy­klus in einer Sec­co­ma­le­rei des 16. Jahr­hun­derts wurde eben­falls 1949 frei­ge­legt. Das spät-gotisch Vor­tra­ge­kreuz, stammt aus dem 15. Jahr­hun­dert und die Glas­ge­mälde der Chor­fens­ter wur­den 1949 von August Wan­ner erstellt. An der nörd­li­chen Chor­bo­gen­wand sehen sie die spät­go­tisch «Madonna aus Hünenberg»,

Kirche St. WolfgangVor allem das von Meis­ter Ulrich von Rosen­s­tain in der Art einer spät­got. Turm­mons­tranz geschaf­fene Sakra­ments­häus­chen aus dem Jahre 1486 ist sehr sehenswert.

Das Pfrund­haus wurde als Stein­bau 1697 erstellt und besticht durch seine Grösse. Zeit­weise sol­len sogar drei Geist­li­che hier gewohnt haben. Heute gehört das Haus Xaver Sto­cker. Für den Kaplan von St. Wolf­gang wurde ein neues Haus süd­lich der Kir­che erstellt.

Die Kir­che St. Wolf­gang ist als Kul­tur­gut von natio­na­ler Bedeu­tung eingestuft.

Aktu­el­les zur Kir­che St. Wolfgang

Das Sig­ris­ten­haus und der Friedhof

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Das Sig­ris­ten­stein­haus  stand direkt am Weg süd­lich der Kir­che. Es wurde 1946 abgerissen.

Letzte Bewoh­ner waren die Fami­lie Kei­ser: Anna Kei­ser war Hand­ar­beits­leh­re­rin im Matten.

Gut sicht­bar ist der Fried­bof mit den Garb­mä­lern. Dass es hier über­haupt einen Fired­hof gab, ist der Tat­sa­che zu ver­dan­ken, dass die vier Häu­ser von St. Wolf­gang einst als Enklave zu Zug gehörten.

Das Haus hin­tetn aus dem Jahre 1672 wird von der Fami­lie Agnes Nuss­bau­mer bewohnt.

Schlacht an der Totenhalde

huenenberg st wolfgang

Die Toten­halde, der steile Abhang west­lich von St. Wolf­gang, war im Jahre 1388 im Nach­gang zur Schlacht bei Sem­pach (1386) Schau­platz eines krie­ge­ri­schen Gefechts.

Ein habs­bur­gi­scher Ver­gel­tungs­raub­zug suchte das Gebiet von Hünen­berg und Umge­bung heim. Gehöfte wur­den geplün­dert und gin­gen in Flam­men auf. Die Zuger unter ihrem Ammann Hans von Hos­pen­tal woll­ten den Habs­bur­gern das Raub­gut wie­der abneh­men. Es kam zum miss­glück­ten Gefecht an der Toten­halde am Hei­lig­abend des Jah­res 1388, wo 42 Zuger star­ben, dar­un­ter auch Hünen­ber­ger und der Anfüh­rer Hans von Hospental.

Aus­schnitt aus der Zür­cher Chro­nik, Abschrift von Hans Glog­ger, Zürich ca. 1440:
158. Morn­des an dem hail­gen abent ze wienächt a.d. 88 jar, do zoch des her­zo­gen volk…des furen die von Zug und die von Sankt And­res und ander, die bi inen waren, über den Zugerse…und do sie kamen gen Hünaberg…und als luff­ten die von Zug hinab und wisen nit um die huot…und ers­luo­gent der von Zug 42 man…heten si wis­lich und recht gefarn und het­tet si gebai­tet ander ir frün­den die all­weg zuo­zo­gen, damitte ir hilf grös­ser und bes­ser wär wor­den, das sie mit got­tes hilf wol on scha­den dan­nen wär­int komen, het­ten si sich nit also tor­lich vergahet.

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Erst das ver­spä­tete eid­ge­nös­si­sche Kon­tin­gent konnte die Öster­rei­cher ver­trei­ben. Am 1. April 1389 wurde zwi­schen den krie­ge­ri­schen Par­teien ein Waf­fen­still­stand abgeschlossen.

Der Name Toten­halde (Tuo­ten­halde, Dot­ten­hal­den, Tot­ten­hal­ten .…) aber war schon vor die­sem Kampf bekannt. Denn das Klos­ter Frau­en­thal hatte bereits 1364 ein Stück Land in der „Tot­ten­hal­ten“ erworben.

Auto­ren: Patri­cia Dier­meier Reichardt, Guido Wetli
Fotos: Archiv, Tho­mas Mül­ler
Quelle: GSK: Kunst­füh­rer durch die Schweiz. Bern