Reuss bei Draelikon Huenenberg

Beu­gen­rank

Der Beu­gen­rank hat sei­nen Namen vom ca. 500 Meter west­lich lie­gen­den Hof „Beu­gen“ in der Gemeinde Ober­rüti bekom­men. Der Flur­name stammt wohl vom „Ver­bie­gen“ der Reuss, das heisst, der Hof liegt in der Nähe einer star­ken Bie­gung der Reuss.

Hier beim Beu­gen­rank lagert die Reuss immer wie­der viel Geschiebe ab. Des­halb wurde an die­ser Stelle frü­her auch Kies abge­baut. Auch für den Bau des Reuss­dam­mes wurde Kies von hier ver­wen­det und an Ort und Stelle zu Beton­plat­ten gegossen.

Einer der bekann­tes­ten Kies­samm­ler war der «Stein­klop­fer Zan­g­erle». Der Öster­rei­cher ­Gott­fried Zan­g­erle deser­tierte im 1. Welt­krieg nach Hünen­berg – ohne Papiere. Man erlaubte ihm, beim Beu­gen­rank Geröll aus der Reuss zu ­neh­men. Die Stein­bro­cken trans­por­tierte er mit einer selbst­ge­bau­ten Roll­bahn nach Drälikon­, wo er sie mit einem Eisen­schlä­gel zu Kies zer­klei­nerte und verkaufte.

Neu übri­gens: Zwi­schen Beu­ge­rank und Zoll­haus fin­det man seit Win­ter 2017 Spu­ren von Biber. Diese Fotos wur­den im März 2017 gemacht:

Hoch­was­ser und Reussverbauung

Heute brei­ten sich in der Reuss­ebene gepflegte Äcker, Wie­sen und Obst­an­la­gen aus. Dies ist aber nicht immer so gewe­sen. Die stän­di­gen Über­schwem­mun­gen der Reuss­ge­gend bewirk­ten, dass im Mit­tel­al­ter das Land als Streu­ried und Wei­de­land benutzt wurde. Die Höfe lagen am Rande der gefähr­de­ten Zonen.

Noch zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts waren prak­tisch noch keine Damm­bau­ten vor­han­den. Doch immer wie­der trat die Reuss über die Ufer, so dass im 19. Jahr­hun­dert (1871 bis 1878) aus­ge­dehnte Damm­an­la­gen von der Reuss­halde bis auf die Höhe von Mühlau ent­stan­den. Dabei wurde aber das Bin­nen­was­ser zu einem Pro­blem. Des­halb wurde 1880 der Bin­nen­ka­nal gebaut, der die Bin­nen­was­ser sam­meln und bei Maschwan­den in die Lorze lei­ten sollte.

Bis Ende des 19. Jahr­hun­derts war es auch Pflicht­ der Kor­po­ra­ti­ons­bür­ger, die Reuss zu unterhalten­ (Wuhr­pflicht). Sie muss­ten im ­Win­ter bei tiefem­ Pegel­stand «Ruten» und Äste zu «Bör­deli» bin­den. Diese­ wur­den am Ufer mit Stei­nen beschwert und dien­ten so als eine Art ers­ter Schutzdamm.

Der erste Damm Ende 19. Jahrhunderts

Der erste rich­tige Damm wurde 1871–1878 von der Reuss­halde bis zur Ein­mün­dung der Lorze gebaut. Der Damm hielt bis 1910: Im Mai und Juni fiel sehr viel Regen. Die Bau­ern stan­den Tag und Nacht am Reuss­damm Wache aus Angst, er könnte bre­chen. Jeder kleinste­ ­Scha­den wurde sofort beho­ben, sogar Mäuse­löcher wur­den gestopft.

Am 13. Juni ­erreichte das Was­ser dann den Höchst­stand. Der Damm hielt, nur in der Cha­mau drang Was­ser ein. Doch in Drä­li­kon, Mat­ten­bo­den und Sta­del­matt räum­ten die Bau­ern vor­sorg­lich die Ställe.

Auf das Hoch­was­ser folgte 1911 die grosse ­Tro­cken­heit. Die Brun­nen lagen trocken­ und die Bau­ern muss­ten im «Reussli» Was­ser für sich und die Tiere holen. Dar­auf­hin beschlos­sen die Hünen­ber­ger den Bau eines eige­nen Was­ser­re­ser­voirs — siehe The­men­weg, ­Nr. 5 – Chnoden­wald.

Reuss­ver­bau­ung Anfangs 20. Jahrhunderts

Nach dem zwei­ten Hoch­was­ser 1912 entschied­ der Kan­ton, die Reuss zu ver­bauen – für mehr als zwei Mil­lio­nen ­Fran­ken, ein für die ­dama­lige Zeit ausser­ordentlich hoher Betrag. Deshalb­ wur­den auch die Hof­be­sit­zer zur Kasse gebeten.

Der dama­lige Eigen­tü­mer des hier lie­gen­den Hofes hatte die ­finan­zi­el­len Mit­tel nicht und musste sein Anwe­sen ­ver­kau­fen. Seit­her ist der Betrieb im Besitz der Fami­lie Boog.

Die Reuss­ver­bau­un­gen war in der Zeit des 1. Welt­krie­ges eine will­kom­mene Arbeitsmöglichkeit.

Sanie­rung des Reuss­damm im 21. Jahrhundert

193

Das Hoch­was­ser von 2005: Die Strasse Rich­tung Maschwan­den (Reuss­spitz) war kom­plett unter Wasser.

Gegen Ende des 20. Jahr­hun­derts, nach 80 Jah­ren erfolg­rei­cher Hoch­was­ser­ab­wehr tra­ten beim Damm da und dort Ver­schleiss­er­schei­nun­gen auf. Zudem ent­sprach sein mono­to­ner Ver­lauf nicht mehr den Anfor­de­run­gen des moder­nen, natur­na­hen Was­ser­baus. Am 25. April 2002 bewil­ligte das Kan­tons­par­la­ment einen Objekt­kre­dit von 9,8 Mio. Fran­ken für die Sanie­rung des Reuss­dam­mes zwi­schen der Sin­ser– und der Mühlau­er­brü­cke in Hünen­berg. Die Arbei­ten wur­den in den Jah­ren 2004 und 2005 ausgeführt.

Zwei Ziele soll­ten mit dem Pro­jekt erreicht werden:

Reussdamm bei draelikonZiel 1: Hoch­was­ser­schutz ver­bes­sern
Um den Hoch­was­ser­schutz im Zuger Reus­s­tal zu ver­bes­sern, wurde die Damm­krone um durch­schnitt­lich 50 cm erhöht und der Damm land­sei­tig um 2,5 m ver­stärkt. Auf der Damm­krone wurde ein 4 m brei­ter Kies­weg ange­legt, der einer­seits den Dam­mun­ter­halt erleich­tert und ande­rer­seits eine Wan­der­we­g­lü­cke schliesst.

Ziel 2: Ufer öko­lo­gisch auf­wer­ten
Pro­jekt­ziel Num­mer 2 war die öko­lo­gi­sche Auf­wer­tung des Ufer­be­reichs. Erreicht wurde die­ses Ziel mit einer natur­na­hen Umge­stal­tung des kana­li­sierte Reuss­laufs in Teilabschnitten.

Kon­kret ging es darum, die Reuss in der Cha­mau auf­zu­wei­ten und den Damm an die­ser Stelle bis an den beste­hen­den Bin­nen­ka­nal zurück­zu­ver­set­zen. Dadurch ent­stan­den strö­mungs­arme und krautrei­che Buch­ten, die Fischen und Amphi­bien seit­her ideale Lebens– und Rück­zugs­mög­lich­kei­ten bie­ten. Ent­lang der rest­li­chen Bau­stre­cke wurde die vor­han­dene Beton­ver­bau­ung ent­fernt, soweit es der Ero­si­ons­schutz zuliess.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen zum Reussdamm.

Reuss­land­schaft

Eine der viel­fal­tigs­ten und best­er­halte nen Fluss­land­schaf­ten des schwei­ze­ri­schen Mit­tel lan­des mit vor­wie­gend eis­zeit­lich gepräg­ten Gelän­de­for­men und zahi­rei­chen Zeu­gen der erd­ge­schicht­li­chen Ver­gan­gen­heit: Wall­mo­rä­nen, erra­ti­sche Blö­cke, gla­ziale Schot­ter, Flussmäander.

Tal­ab­schnitt süd­lich von Brem­gar­ten (Reuss­ebene): Weit­räu­mige Kul­tur­land­schaft mit park­ar­ti­gem Cha­rak­ter und einer Viel­zahl von sel­te­nen Natur­stand­or­ten. Rück­zugs­ge­biet für die gefähr­dete Flora und Fauna der Feucht­bio­tope. Arten­rei­che Pfei­fen­gras wie­sen, Klein­seg­gen– und Hoch­stau­den­rie­der mit ein­zig­ar­ti­gem Vor­kom­men der Sibi­ri­schen Schwert
lilie. Alt­was­ser­land­schaf­ten von ein­drück­li­cher Schön­heit und Viel­falt (Stille Reuss, Rot­ten­schwi­ler Moos). — Brut­ge­biet für Kie­bitz, Brach­vo­gel und Bekas­sine. Bel Unter­lunk­ho­fen Flach­was­ser­bio­top mit Brut­in­sein und Verlandungszonen.

Land­schafts­ent­wick­lungs­kon­zept (LEK) Reuss

Hünen­berg hat als erste Gemeinde im Kan­ton Zug ein Land­schafts­ent­wick­lungs­kon­zept rea­li­siert, das an ein Ver­net­zungs­pro­jekt gebun­den ist. Für die Umset­zung wurde im Jahr 2003 der Ver­ein LEK (Land­schafts­ent­wick­lungs­kon­zept) Reuss gegrün­det. Die Auf­gabe und das Ziel des Ver­eins lie­gen darin, die Bedürf­nisse der Land­wirt­schaft, Gesell­schaft und der Natur mög­lichst in Ein­klang zu bringen.

Das Gebiet des LEK umfasst die Flä­che nörd­lich der Drä­li­ker­strasse (Hünenberg-Sins) und wird west­lich durch den Fluss­lauf der Reuss und nörd­lich des Wei­lers Büt­zen durch den Fluss­lauf der Lorze begrenzt. Die Flä­che umfasst ca. 7 km2, wobei der Wald nicht mit­ein­ge­rech­net ist. Der Ver­ein hat ein Ver­net­zungs­pro­jekt lan­ciert, um Lebens­räume für Pflan­zen und Tiere zu schaf­fen und diese mit­ein­an­der zu ver­net­zen. Das Enga­ge­ment der Land­wirte erfolgt auf frei­wil­li­ger Basis.

Erfreu­lich ist, dass das Ver­ständ­nis für die Öko­lo­gie bei den Land­wir­ten im Lauf der Jahre mar­kant gestie­gen ist. Man ist gewil­ligt, Teile der Land­schaft nach­hal­tig zu gestal­ten und zu unter­hal­ten und wird vom Bund für diese Leis­tun­gen entschädigt.

Der Ver­ein LEK wird durch Andreas Hof­mann, Firma Agro­fu­tura AG, fach­lich beglei­tet. Er gibt Anwei­sun­gen bezüg­lich der För­de­rung der Leit– und Ziel­ar­ten und führt die Erfolgs­kon­trolle durch und ist für das Ver­fas­sen von fach­li­chen Berich­ten zustän­dig.
Kern­stück des Ver­net­zungs­pro­jekts LEK Reuss in Hünen­berg ist die Maschwan­der All­mend, die schon seit Jahr­zehn­ten als Natur­schutz­ge­biet aus­ge­schie­den ist. Die Moor­land­schaft ist im Bun­des­in­ven­tar der schüt­zens­wer­ten Moor­land­schaf­ten aufgeführt.

Lesen Sie den Bericht zur ers­ten Pro­jekt­phase 2004 — 2009

Ver­net­zung Hünen­berg Süd
Im Som­mer 2011 wurde für das rest­li­che Hünen­ber­ger Gemein­de­ge­biet ein wei­te­res Ver­net­zungs­pro­jekt gestar­tet. Die Flä­che umfasst 570 ha, wobei nahezu alle Land­wirte sich am Pro­jekt beteiligen.

Auto­ren: Patri­cia Dier­meier Reichardt, Urs Felix, Guido Wetli
Fotos: Andreas Busslinger